Podcast „Hospizbegleitung“

Foto: Achim Eckardt

Die Hospizbewegung nahm in den 60er Jahren in England ihren Anfang und stellt heute mehr und mehr eine menschenwürdige Alternative für den letzten und unausweichlichen Lebensabschnitt dar. Hermann Bayer ist Sozialpädagoge, Ritualgestalter und Lebensbegleiter, er sagt „Die Liebe zum Leben braucht den Mut zum Abschied“. Er bildet Menschen darin aus, das wertvolle Ehrenamt in der Sterbebegleitung auszuüben und erzählt im Interview aus seiner langjährigen und reichen Erfahrung mit Sterbenden und deren Angehörigen. Trauer, Wut, Auflehnung, Weinen und Lachen dürfen im Abschiedsprozess gleichzeitig stattfinden.


 

Laut Umfragen möchten etwa 90 % aller Menschen zu Hause sterben. In der Realität stellt sich das allerdings anders dar: Ca. 50 % sterben im Krankenhaus, 20 % in Pflegeheimen und nur 30 % zu Hause oder an anderen Orten, u.a. auch in Hospizen.

Die heutige Hospizbewegung nahm in England in den 60er Jahren ihren Anfang und stellt eine wertvolle und menschenwürdige Alternative dar, wenn eine Krankenhausbehandlung vom Patienten nicht mehr gewollt wird oder aus medizinischer Sicht nicht erforderlich ist (und deshalb von den Krankenkassen auch nicht mehr bezahlt wird), ein Pflegeheim aber aufgrund unzureichender medizinischer und pflegerischer Versorgungsmöglichkeiten bei schwerer Erkrankung nicht in Frage kommt. Das Hauptaufnahmekriterium in ein stationäres Hospiz setzt voraus, dass der Patient an einer unheilbaren Krankheit wie z.B. einer fortgeschrittenen Krebserkrankung leidet, die in kürzerer Zeit zum Tode führt und eine Heilung für ausgeschlossen gilt.

Inhalt des Podcasts

  • 01:13 // Erzählen Sie uns von Ihrem Weg, wann und wie kamen Sie zur Hospizarbeit?

    Also zunächst möchte ich sagen, dass in den zurückliegenden 25 Jahren wirklich eine Bewusstseinsveränderung auch in unserem Land ist und dass sehr wohl das Sterben ins Leben gekommen ist. Wenn der Tod dennoch tabu bleibt, ist das ja nicht nur eine Notwendigkeit, das Tabu zu heben, sondern ich bin der Überzeugung, das Sterben und der Tod braucht auch ein Maß an Tabu. Weil es eine ganz persönliche und einzigartige Lebenszeit ist, die aus meiner Sicht nicht auf dem Marktplatz der Öffentlichkeit gezeigt und diskutiert werden soll. Was ich erlebe ist, dass ich einzig nur staune, wie Angehörige fähig und bereit sind, wenn sie in die Situation gestellt sind, einen schwer-kranken Menschen zu begleiten. Obwohl das ganze System durcheinander gerät, halten sie diese Spannung und sind bereit, zu begleiten, da zu sein. Das Schlüsselerlebnis war die Erfahrung damals, wie in Deutschland 85, 84 gestorben wurde. Also es durfte das Wort Sterben und Tod nicht vorkommen und es war fast wie eine Beleidigung des Professors, wenn man annimmt als Angehöriger, der Vater könnte ja sterben. Sondern es ging einzig um die medizinische Kunst und Machbarkeit. Und das Schlüsselerlebnis war, dass mit dem Tod des Vaters in mir wie ein Auftrag sich gezeigt hat, ein innerer Auftrag: Ist das so in Deutschland? Und wie soll sich das entwickeln? Und das war für mich ein Anstoß, immer mehr mich der Hospizbewegung anzuschließen und innerhalb von meinem Arbeitsfeld dort auch aktiv und tätig zu werden. Das hängt sicher damit zusammen, dass immer wieder neu mit den Menschen versuchte zu verstehen, wie wichtig dieses Abschiednehmen ist, um einen Schritt weitergehen zu können. Und dafür hat ja unsere Kultur die Form der Beerdigung gefunden. Abschied steht immer da, wo ein neuer Weg gegangen wird. Und für mich war immer der Satz von Hermann Hesse in dem Gedicht Stufen, irgendwie so der Motor dafür, wenn er sagt: Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde.
  • 04:00 // Was haben Sie dabei lernen dürfen? Was können und möchten Sie weitergeben?

    Ich finde schön, dass Sie fragen, was ich habe lernen dürfen. Es gibt ein Gedicht von Hilde Domin, das heißt Unterricht. Und da heißt es: kostbarste Unterricht am Sterbebett. Nur einmal sterben sie für uns, nie mehr. Das werden wir, ohne sie-, ohne die sicheren Waagen, auf die wir gelegt werden. Also es ist in der Tat Unterricht und dass die Hospizbewegung in Deutschland eine solche Entwicklung haben durfte. Darin habe ich gelernt und habe-, kann viele Geschichten erzählen, was ich gelernt habe. Auf der einen Seite halte ich mich sehr zurück und denke, dass ist was sehr Persönliches und es geht jetzt nicht, dass ich das nach draußen trage. Aber manchmal erzähle ich, von der Endlichkeit und Begrenzung unseres Lebens. Und was ich da erfahren darf und dass ich selbst in meinem Älterwerden natürlich auch gerade spüre, dass meine Lebendigkeit sich-, sich daraus schöpft, dass ich weiß, es ist irgendwann einmal zu Ende. Also, dass ich von der Endlichkeit her meine Lebendigkeit schöpfe und darin Zufriedenheit erfahren darf, darüber, wie es mir jetzt im Moment geht. Es gibt Ansichten, Ansichten von Psychologen und Philosophen, dass wir Menschen heute in der fließenden Wirklichkeit ständig an Übergängen stehen. Das ist eine Anschauung, die möglicherweise schon nicht mehr vom Ankommen reden kann.
  • 05:49 // Sie sprechen von Übergängen, was meinen Sie da genau damit? Wie ist das zu verstehen „Übergänge im Werden“?

    Ich habe ein Beispiel, das manchmal auf Unverständnis stößt oder auf Staunen, zumindest auf Staunen: Wenn Menschen beobachten, dass im Hospiz so viel gelacht wird oder auch zu Hause, wenn die Familie, die Zugehörigen da sind und mit dem Menschen, der sterben wird lachen und weinen und alles auf einmal geschieht. Vor einigen Jahren war das genau meine Frage in einer Weiterbildung für Palliativkräfte: Wie kommt es, dass wir, die wir mit Sterben, Tod und Trauer arbeiten, dass wir so fröhlich sind? Da fiel uns auf und seither entwickelt sich diese Erkenntnis immer mehr, dass sich das eine vom anderen nicht ausschließt. Im Gegenteil, an den Orten und mit den Menschen, wo Trauer, Wut, Auflehnung, Lachen und Weinen, Erinnerung, wo das alles sein darf, da schließt es auch nicht aus, eben dass gelacht wird und dass Humor da ist. Man spricht sogar heute von Humor in der Sterbebegleitung. Eckart von Hirschhausen ist bekannt für seine Clowns bei Schwerkranken. Das alles sind Erfahrungen, weil eben das Sterben und die Begrenztheit des Lebens nicht ausgeklammert wird. Wenn alles gleichzeitig sein darf, dass dann auch sich nicht so ein Schleier über die Seele legt, weil irgendwas verboten wird oder weil man nicht darf. Und da an dieser Stelle, wo es ein Übergang ist, den wir vielleicht auch mit Geheimnis beschreiben, von Nichtwissen, was geschieht. Da machen wir eine Erfahrung, dass Leben in seiner Ganzheit alles sein kann und alles auf einmal und nichts ausgrenzt mehr. Das ist meine Erfahrung mit Übergang im Werden, dass wir uns trauen, den Gefühlen Raum zu geben, die eben gerade da sind.
  • 07:58 // Eine Krebserkrankung ist ein massiver Bruch im Leben, viele empfinden es als Zäsur, eine existenzielle Diagnose zerstört mit Wucht das „Gottvertrauen“, die Sorglosigkeit und Leichtigkeit im Leben. Wie kann man hier Zuversicht finden und Hoffnung schöpfen? Wie gelingt es, sich dem Leben wieder anzuvertrauen?

    Es ist eine große Frage. Ich mache die Erfahrung, dass wir Menschen eine wunderbare Fähigkeit haben, die von der Welt oft als Verdrängung bezeichnet wird. Es ist es wirklich eine Fähigkeit unsere Seele, immer nur das kennen zu dürfen, was ich auch leben kann. Verdrängung ist eine Fähigkeit unserer Seele, der wir durchaus trauen dürfen. Ich denke jetzt an eine Frau, die erfährt, wie der Arzt ihr alles erklärt, was sie jetzt hat und was los ist. Und sie sagt irgendwann: „Herr Doktor, nehmen Sie mich jetzt einfach mal in den Arm.“ Also, ich will das ganze Ding nicht wissen jetzt, ich brauche gerade was anderes oder ich brauche gerade Nähe oder Wärme. Wir sagen es ja manchmal auch an gesunden Tagen: „Komm, wir trinken jetzt erstmal eine Tasse Kaffee.“ Das heißt, wir lassen uns nieder, wir halten inne, wir schnaufen durch. Und es wird mir darin möglich sein, einen nächsten Schritt zu entscheiden. Ich entscheide daraus den nächsten Schritt, nicht den ganzen Schritt und nicht das ganze Leben, wie es dann werden wird, sondern: „Das hat mir jetzt gutgetan, ich gehe weiter“, so etwas.
  • 09:34 // Ist es möglich eine Diagnose, die mit wenig oder sogar keiner Hoffnung verbunden ist, so zu akzeptieren, dass man seinen Frieden findet, die unverrückbare Tatsache annehmen kann, als Teil von einem und seinem Leben?

    Das weiß ich nicht. Wenn ich einem Menschen zum Beispiel jetzt in einer solchen Situation gegenübertrete, geht es zunächst einmal um Stopp, um Innehalten, um Nichtwissen. Und dann geht es darum, dass in der Begegnung eine Resonanz entstehen kann, wo wir einander teilhaben lassen können von dem, wo der eine und der andere gerade steht. Wo bist du gerade? Wo stehst du? Was ist deine Frage im Moment? Oder, was suchst du. Und die Frage ist wiederum nicht einzig nur das, er fragt und ich antworte, sondern es ist eine Frage an das Leben. Und wir beide dann in der Begegnung, begegnen dem Leben, das im Augenblick sich so stellt. Ich bin in der Begegnung nicht der Antwortgeber, sondern ich bin die Resonanz für die Frage, für die innerste Frage, die der andere in sich trägt, auch schon als Antwort.
  • 10:45 // Ist es möglich, sich im  Angesicht einer unheilbaren Krebserkrankung auf das Sterben vorzubereiten und einzulassen? Wann ist hierfür der angemessene (notwendige) Zeitpunkt?

    Aus meiner Erfahrung gibt es keinen richtigen oder angemessenen Zeitpunkt, der kann von außen schon gar nicht diagnostiziert oder gestellt werden. Sondern das kann einzig darin geschehen, dass in der Begegnung etwas bewegt wird, was den Menschen in dieser Situation bewegt. Zum Beispiel höre ich dann manchmal „Aber Weihnachten möchte ich schon noch erleben.“ Also dass wir Menschen in solchen Situationen einen nächsten greifbaren Zeitpunkt suchen, den wir noch leben wollen. Und das ist ein, aus meiner Sicht, hilfreiches Signal gut mit hinzuhören wo der andere steht, ohne es analysieren oder ihn anhalten zu wollen, er müsste sich jetzt auf das Sterben vorbereiten. Er ist längst dabei. Die Trauerwissenschaftlerin Ruth Mareike Smehling spricht von Trittsteinen. Trittsteine heißt es sind Erfahrungen, die Angehörige bereits schon im Sterben machen, in der Zeit des Sterbens, und die ihnen dienen können auf dem Trauerweg. Ich bin ja jetzt in der Zeit zwischen Tod und Beerdigung oft mit den Angehörigen zusammen. Und wenn ich dann frage „Was hat Ihnen denn geholfen in der letzten Woche oder in den letzten Tagen?“ dann sagen sie fast zu einem hohen Prozentsatz „Wir sind auch gesehen worden.“ zum Beispiel vom Klinikpersonal „Die haben uns gefragt ob wir einen Kaffee wollen.“ Das ist ein wesentlicher Trittstein den sie mitnehmen für ihren Trauerweg. Dass das Innehalten des Kaffeetrinkens, ein Innehalten auf dem Weg auf dem vielleicht das Herz Kopf steht oder alles durcheinander geraten ist. Ein weiterer Trittstein ist wirklich die Zeit zwischen Tod und Beerdigung, das weiß man heute. Wie Hinterbliebene in der Zeit an diesem Übergang begleitet werden. Noch von denen, die aus dem Sterbefeld kommen, also wenn dann der Tod eingetreten ist, bis hin zum Bestatter, zum Seelsorger oder zum Ritualbegleiter, der auch zur Beerdigung führt. Heute weiß man, dass das eine zentral wichtige Zeit ist, die den Trauerweg, der dann dem folgt, prägen kann. Das heißt, es braucht Mutmacher auf dem Weg. Das beginnt vielleicht darin, dass am Sterbebett, oder am Totenbett zunächst einmal innegehalten wird. Und der, der von außen dabei ist, das kann der Arzt sein, eine Pflegende, das kann der Nachbar sein, wer auch immer, zunächst vielleicht sogar sagt „Wir haben alle Zeit der Welt, wir müssen gar nichts tun. Es gibt nichts mehr zu tun.“ Und dass diese Zeit, die manchmal Stunden dauern kann, eine gute Basis ist, um dann den nächsten Schritt zu tun. Also weil ja dann etwas folgt, was mit ganz vielen Abschieden zu tun hat. Abschied aus der Wohnung oder aus dem Ort wo er gestorben ist, dieser Mensch. Abschied vom Bett, wenn er im Bett gestorben ist, in den Sarg. Es entstehen tausend neue Wirklichkeiten in dieser kurzen Zeit, in der der Angehörige, wie Smehling sagt, durchgeschleust wird. Also er hat gar keine andere Wahl als auf dieser neuen Ebene in die er gehoben wird, wie in einer Schleuse zu handeln. Er kann nicht sagen „Ich mache das erst in einem halben Jahr, wenn ich wieder ausgeschlafen habe oder ruhig bin.“ Was Kraft spendet, was Mut macht oder Hoffnung stärkt ist, diese Zeit bewusst zu leben. Also wir dürfen vertrauen welche Fähigkeiten in uns Menschen wohnen, wenn es denn soweit ist. Vielleicht ist Sterben-. Unsere Vorbereitung auf das Sterben hin, etwas zu tun wie Geburtsvorbereitung, da macht man das neun Monate. Und ich bin überzeugt, dass die Erfahrung der Geburt noch einmal etwas ganz Einzigartiges, noch nie erlebtes ist, so viel ich mich auch vorher vorbereitet habe. Und ich glaube so ist das mit dem Sterben genauso. Ein Philosoph sagte mal: Die Art des Vorbereitens ist, dass wir uns nicht vorbereiten können. Aber bereits es zu wissen, dass wir es nicht können, ist eine Art der Vorbereitung und des sich Einlassens.
  • 15:56 // Sie bilden Menschen in der Hospizarbeit aus. Mit welcher Motivation kommen Teilnehmer in die Seminare? Welche Haltung kann man lernen, sich aneignen? Was wollen Sie als Experte im Kern vermitteln?

    Ja, ich begleite und bilde aus Menschen seit, seit über 20 Jahren für ihre ehrenamtliche Hospizarbeit. Für die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen. Die Menschen sind andere geworden als vor 20 Jahren. Und dennoch kann ich sagen, was als Gemeinsames sich darstellt. Dass Menschen kommen, die eine Erfahrung gemacht haben mit Sterben, Tod und Trauer. Die ihre Eltern begleitet haben. Und die dann sagen, wenn ich mal im Ruhestand bin, möchte ich in diese ehrenamtliche Arbeit gehen. Es sind also ältere Menschen, überwiegend Frauen. In dem Kurs kommen immer mehr Männer. Einer, der auf der bei einer großen Firma arbeitet und sich mit Mitte 50 fragt, ist das alles. Also, der dann über seine eigene Frage an das Leben in der Begegnung gehen möchte mit Menschen, die von, von ihrer Endlichkeit her vom Leben erzählen. Und es können auch jüngere Menschen sein. Männer und Frauen, die vom Studium her, oder von ihrer Praxis her zu dieser Frage kommen. Und das macht es wirklich kostbar so ein Seminar, zwischen manchmal 25 und 75-jährigen, der Frage nach Leben nachzugehen. Wir lernen nicht besser sterben, sondern wir lernen anders leben. Und ich glaube, das ist ein wesentlicher Impuls, dass Menschen kommen. Selbst diejenigen, die helfen wollen und noch von einem Bild geprägt sind, dass wir Helfenden wüssten wie das ginge. Auch die, auch für die wird das zu einer tiefen Erfahrung, weil wir viel stärker in der Ausbildung einen Weg gehen, wo es um die Frage geht, was bedeutet für dich Leben. Also es ist wie ein, wie eine Selbstfindung. Es ist jedes Mal überraschend, wie nach einem halben oder dreiviertel Jahr Menschen sich entwickelt haben. Das ist das einzige Thema, das wir überhaupt im Leben gemeinsam haben, nämlich dass wir sterben werden.
  • 18:20 // Zitat Hermann Bayer: „In der Tiefe der Erschütterung wurde ich an Quellen geführt aus denen sich ein stets neues und kraftvolles Ja ins Leben gezeigt hat.“ Sind Erschütterungen Kraftquellen für persönliches Wachstum und Reife?

    In der Tiefe der Erschütterung wurde ich an Quellen geführt, aus denen sich ein stets neues und kraftvolles Ja ins Leben gezeigt hat. Ja, so kann ich es sagen, aus meiner ganz eigenen Geschichte. Und ich sage es eben im Blick zurück auf diese Erfahrung. Die Erfahrung, dass es Kraftquellen geworden sind, waren vorher Erschütterungen. Und Erschütterungen waren schwer und taten weh und hatten manchmal auch eine Art in der ich nicht wusste, wie es weiter geht. Dass es Kraftquellen sind, das weiß ich erst, als ich diese Erschütterungen zurücklassen konnte. Oder als sich neue Möglichkeiten geöffnet haben, die vorher nicht denkbar oder sichtbar waren. Ich kann auch sagen, was ich heute lebe, ist wie die Frucht des Bisherigen.
  • 19:41 // Wie ist das Wort „Frucht“ in diesem Zusammenhang präzise zu verstehen?

    Also Frucht ist das, was ich im Augenblick als Lebenszufriedenheit, als Lebensglück leben darf. Ist ein Ausdruck von Wachsein. Und vor allem von Dankbarkeit. Dankbarkeit dem gegenüber wie, wie ich bis hierher leben durfte, in all dem was jetzt zuvor wir schon gesprochen haben. Und es geht mir um die Essenz dessen, was in der Frucht wohnt. Und mich gleichsam tiefer und tiefer in das Geheimnis auch führen mag, was Leben wirklich ist. Und ich nie wissen werde, ehe ich nicht gestorben bin. Im Augenblick, zeigt sich die Frucht vor allem in dem, wie lebendig ich mich fühlen kann. Auch in der Stille, der Kontemplation, der Meditation. Wie immer wir eine Form finden des Bei-Sich-Seins. Und eben auch ein Ausdruck von Dasein, von Hier, Jetzt. Von geöffnet sein dem, das der Augenblick mir sagt. Und da gibt es einen Gedanken von Sheldon Copp, einem Psychotherapeuten aus Amerika, der mich sehr begleitet. Ich zitiere ihn: „Ich bin entschlossen, mich von den Tönen verwandeln zu lassen, die aus der Stille meiner Seele aufsteigen. Und mein Herz will die Melodie finden, zu der ich mein Leben tanze.“
  • 21:15 // „Tanzen“ im Sinne von Balance, Rhythmus, Tempo und Resonanz finden in allen Lebenssituationen?

    Ja, im Augenblick kann ich es so sagen, und mir auch wünschen, dass es so ist. Und dass möglichweise auch eine Beeinträchtigung meiner jetzigen Lebenszeit noch Raum gibt zu tanzen. Eben genau im Sinne von Wiederfinden einer Balance, die dann vielleicht auch ins Wanken gerät von Rhythmus, von Tempo. Und sicher ganz anders als jetzt. Aber das ist ja auch geradezu das, was mich neugierig macht im Älterwerden.